Jan Zagel (HonestTrader) hat in seiner zweiten Teilnahme bei den Deutschen Trading Meisterschaften einen vollen Erfolg erzielt und sich den ersten Platz als bester Performer gesichert. Seine Performance war herausragend und sucht mit stolzen 6150,13% seinen Meister. Auch die vorangegangene DAX Meisterschaft verlief wenn auch ohne Titel mit einer Performance von 181,33% sehr erfolgreich.

Das Gespräch mit Jan war sehr interessant, insbesondere da er sich trotz seines jungen Alters bereits intensiv mit Themen wie Trading-Psychologie und Risikomanagement auseinandergesetzt hat und eine extreme Disziplin und Reife erkennen ließ. Wir hoffen, Jan weiter als Teilnehmer bei den Meisterschaften dabei zu haben und ihn gegebenenfalls als Paten für junge Trader für die Meisterschaft gewinnen zu können.

 

Wer ist Jan Zagel – ein erstes persönliches Kennenlernen

Deutsche Trading Meisterschaften: Kaffee, Tee oder eine andere Alternative?

Jan Zagel: Weder noch. Ich trinke vorwiegend Mineralwasser, halte dabei einer Mineralwassermarke aus Bad Adelholzen die Treue. Fruchtsäfte und Schorlen nehme ich auch gerne. Bei heißem Wetter geht auch mal Limonade oder Cola. Für Kaffee und Tee war ich noch nie zu gewinnen.

Deutsche Trading Meisterschaften: Wenn Du nicht tradest: welche Hobbys hast Du bereits ausprobiert und wofür schlägt aktuell Dein Herz?

Jan Zagel: Vorwiegend Sportarten. Begonnen bei der obligatorischen Fußballkarriere, die so ziemlich jeder Junge im Grundschulalter mal beginnt. Im Lauf meiner Kindheit und Jugend habe ich zeitweise Tennis gespielt, anschließend Tischtennis ausprobiert. Die letzten 5 Jahre habe ich Basketball gespielt und seit 1,5 Jahren bin ich hobbymäßig als Fußball-Schiedsrichter aktiv. Weiter praktiziere ich seit einem halben Jahr mit Darts zusätzlich einen bewegungsarmen, aber dafür äußerst interessanten Mentalsport. Kurz gesagt bin ich für Sportarten jeglicher Art immer zu haben. Sei es ein Ausflug in den Kletterpark, eine Runde Beachvolleyball am Strand oder eine längere Radtour.

Darüber hinaus beschäftige ich mich viel mit Politik und Wirtschaft. Dabei geht Zeitung lesen (digital am Smartphone versteht sich) auch schon fast als Hobby durch, ich bin Abonnent der WELT.

Deutsche Trading Meisterschaften: Serien ja oder nein und wenn ja, welche Serien schaust Du persönlich und wieso?

Jan Zagel: Mein Fernsehkonsum hat sich in den letzten Jahren auf ein Minimum reduziert. Das ein oder andere Sportevent sehe ich mir an, auch mal eine Nachrichtensendung.

Von Netflix habe ich bisher tatsächlich nur Charts gesehen. Und hier meine ich die mit roten und grünen Kerzen, nicht die beliebtesten Filme der Nutzer.

Deutsche Trading Meisterschaften: Was hast Du dir im letzten Jahr für 50€ oder weniger gekauft, von dem Du sagen würdest, dass es einen echten Mehrwert für Dich hatte und warum?

Jan Zagel: Meine wohl sinnvollste Investition in diesem Preissegment im letzten Jahr dürfte ein Paar sogenannter Noise-Cancelling-Headphones gewesen sein. Solche Kopfhörer unterdrücken Umgebungsgeräusche, indem gegenphasige Schallwellen erzeugt werden. Man kann also deutlich angenehmer Musik hören oder ausschließlich die Funktion der Geräuschunterdrückung nutzen. Ein sehr hilfreiches Tool morgens im Bus oder der S-Bahn, wenn man etwas konzentriert lesen möchte. Aber natürlich auch, sollte man einfach mal einen Moment Ruhe haben wollen.

 

Thema Trading – ein Einblick in das Denken und Handeln des jüngsten Deutschen-Trading-Meisters

Deutsche Trading Meisterschaften: Zu unserem Erstaunen haben wir im ersten Gespräch erfahren, dass dein Handelsansatz trotz der hohen Frequenz (>400 Roundturntrades) komplett diskretionär ist: du also jeden Trade selbst ausgeführt hast. Was ist die Grundlage dieses Ansatzes?

Jan Zagel: Ich folge der Technischen Analyse, bin also rein charttechnisch unterwegs. Begonnen hat es bei mir vor einigen Jahren mit der klassischen Markttechnik. Diese ist keinesfalls eine schlechte Wahl, sollte man einen Handelstil haben, der auf mehrere hunderte bis tausende Einzelwerte anwendbar ist. Im Bereich der Aktien kann man aus einem nahezu unendlichen Universum aus Unternehmen, Einzelwerte mit dem für sich definerten Lieblingssetup suchen und so mit einer hohen Tradefrequenz sein Risiko streuen. Betrachten wir nun den Forex-Markt, ist dies nur noch eingeschränkt praktizierbar.

Ich vertrete heute weiterhin eine Theorie, dass Marktverläufe in Bewegungen und Korrekturen einzuteilen sind, von strengen Definitionen nach Dow habe ich mich aber gelöst. Stattdessen greife ich auf eine Vielzahl indikatorenbasierter Setups zurück, welche ich mir über mehrere tausende Stunden erarbeitet habe. Je mehr Marktverläufe man beobachtet hat, desto mehr Muster fallen auf. Aus genau diesen kann man sich dann Setups für Einstiege basteln. Bei mir sind dies aktuell an die 15 Setups, für einen Trade benötigt es aber immer 2 valide Setups in einem Preisbereich. Ich möchte also mehr als einen Grund, um dann auch ins Risiko zu gehen.

Deutsche Trading Meisterschaften: Wie in der Einleitung angesprochen war diese Teilnahme an den Deutschen Trading Meisterschaften nicht die erste. In beiden warst Du sehr erfolgreich. Hast du bei beiden Teilnahmen denselben Trading-Ansatz gewählt oder hat sich dieser in der Zwischenzeit weiterentwickelt?

Jan Zagel: In erster Linie muss gesagt sein, dass jeder Markt seine Eigenheiten hat. So verlaufen die Bewegungen im EUR/USD sehr viel gleichmäßiger als im GBP/USD, welchen man als zickig bezeichnen kann. Cross-Currency-Pairs laufen häufiger intraday in Ranges als Majors. Da ein sehr, sehr großer Teil der Händler im Dax langfristig verliert, habe ich diesen recht schnell links liegen lassen und mich auf Devisen spezialisiert. Dort ist es um ein Vielfaches einfacher, mit einer gewissen Beständigkeit sein Kapital zu erhalten und zu vermehren.

Die Meisterschaft im Forex-Trading war für mich daher ein Heimspiel. Im Dax-Trading habe ich, da ich dort zuvor kaum Erfahrungen gesammelt habe, nur einen kleinen Teil meiner Setups genutzt, die mir im Rahmen einer kurzen Vorbereitung auch im deutschen Aktienindex als sinnvoll erschienen. Das Risiko habe ich damals deutlich niedriger gehalten. Den Erfolg letztes Jahr würde ich also hauptsächlich auf Risiko- und Moneymanagement und Disziplin, aber weniger auf die aus dem Devisenhandel übernommenen Strategien zurückführen.

Die Weiterentwicklung des Tradingansatzes betreffend empfehle ich jedem in regelmäßigen Abständen von 12-18 Monaten seine Strategien einer ordentlichen Prüfung zu unterziehen, so wie man auch mit dem Auto regelmäßig zum TÜV muss. Man sollte nie vergessen, dass sich auch die Märkte verändern und nichts für ewig funktionieren wird. In den letzten Jahren sehen wir im deutschen Bereich beim Handel von Futures und CFDs immer mehr Volumen- und Orderflowtrading. In Folge dessen ist eine Vielzahl charttechnischer Strategien aus 1- und 5-Minuten Chart nur noch in Kombination mit dem Aspekt der Volumenanalyse zu empfehlen. Auch werden manche Märkte immer schneller, das Marktrauschen und die Volatilität nehmen zu. Hier genügt es sich, Intraday-Charts des Dow Jones aus den Jahren 2014 und 2015 mit solchen der letzten 6 Monate zu vergleichen.

Deutsche Trading Meisterschaften: Bei einer so großen Anzahl an Trades ist es bekanntermaßen extrem schwierig, die Disziplin zu bewahren und keinen Unsinn zu machen und so das Konto zu gefährden. Wie schaffst du es an deinem Plan festzuhalten? Was würdest Du in diesem Zusammenhang anderen als Tipp mit auf den Weg geben wollen?

Jan Zagel: Auf dem Weg, an seinem Plan festzuhalten, muss dieser auch erst mal existieren. Bei zu vielen Neulingen und unerfahrenen Händlern wird ein Handelskonzept gar nicht erst erstellt. Stattdessen ist man den ganzen Tag auf der Jagd nach schnellen Pips, immer in der Hoffnung den Trade des Jahres einzufahren und gibt sich deswegen mit der nächstbesten Wurst, die der Chart einem hinhält, zufrieden. Hier wäre mein Tipp ganz einfach, die Tradingfrequenz runterzufahren und nur wirklich gute Signale mitzunehmen. Zu viel „Hin und Her“ macht Taschen leer. Ein oder zwei gute Trades am Tag sind völlig ausreichend.

Des Weiteren rate ich dazu vor Beginn des Handelstages einen festen Plan zu erstellen, in dem verschiedene Szenarien für den Marktverlauf berücksichtigt werden. Weiß ich bereits um 8 Uhr, in welchen Preisbereichen ich agieren könnte, ist der Handelstag um einiges entspannender, auch weil man nicht dauerhaft gezwungen ist, den Marktverlauf zu beobachten. Es hat nur wenige Händler weitergebracht, mit der Nasenspitze am Monitor und Tunnelblick am Marktverlauf zu kleben. Im Scalping nach Orderflow mag das notwendig sein. Nur kaum jemand wünscht sich das Traderleben so stressig. Eigentlich beginnen wir ja alle auch mit der Motivation, durch das Trading Freiheit erlangen zu können, ob finanziell oder in Form örtlicher Unabhängigkeit. Warum sollten wir also den Handel für uns anstrengender machen als es sein muss?

Deutsche Trading Meisterschaften: Neben der disziplinierten Herangehensweise an den Handel hat uns auch Dein Risikomanagement im Live-Trading positiv überrascht. Möchtest Du deine Ansicht zum Risikomanagement und Positionsgrößen etwas ausführen?

Jan Zagel: Im Allgemeinen kann man das ganz schnell auf den Punkt bringen. Niemals den Stop-Loss vergessen oder weiter ins Minus setzen als ursprünglich. Ansonsten sollte man möglichst mit einem festen, zur Kontogröße passendem Risiko unterwegs sein. Abhängig von Kontogröße, Tradefrequenz und Haltedauer sollte dieses niemals mehr als drei Prozent des Kapitals betragen. Im Day- und Swingtrading reden wir aber eher von einem Prozent. Dies sehe ich zumindest für Echtgeldkonten so.

Bei einem Wettbewerb wie den Deutschen Trading Meisterschaften geht es dann nicht mehr zwangsläufig darum, das Risiko so niedrig zu halten wie möglich. Mit der Kategorie „Bester Risikomanager“ ist dies auch möglich. Durch meine Erfahrung und meinen Handelsstil habe ich mich von Beginn an für die Performance-Wertung entschieden, wodurch mein Ziel eine möglichst hohe Performance, unabhängig vom eingegangen Gesamtrisiko, war. Im Contest habe ich ein Risiko von drei bis maximal sieben Prozent pro Trade gewählt, in der Regel waren es aber vier Prozent. Wenn man genug Erfahrung mit den eigenen Strategien hat, kann man seine Einstiege vom Risiko her bewerten, sodass in manchen Fällen leicht erhöhtes und manchmal leicht niedrigeres Risiko sinnvoll sein kann. Dies habe ich so auch praktiziert, ist aber nicht für Live-Konten zu empfehlen. Neben dem angepassten Risikomanagement war auch mein Handelsstil für kleinere Zeiteinheiten bis zum 1-Minutenchart leicht verändert, woraus dann auch die hohe Anzahl an Trades resultierte.

Deutsche Trading Meisterschaften: Wie siehst Du die Möglichkeit auf Demokonten zu handeln, um erste Trading-Erfahrungen zu sammeln? Sinnvoll oder sinnlos?

Jan Zagel: Meiner Meinung nach sind Demokonten ausschließlich dazu da, Grundlagen wie das Bedienen der genutzten Handelsplattform zu lernen oder Strategien zu testen, bevor man diese im Live-Handel umsetzt. Immer höherer Beliebtheit erfreuen sich in letzter Zeit sogenannte Cent-Konten, in denen man mit Positionsgrößen beginnend bei 10 Einheiten traden kann und die Mindesteinzahlung bei wenigen Euros liegt. Dies berücksichtigend würde ich solche kleinen Beträge immer noch gegenüber Spielgeld bevorzugen.

Deutsche Trading Meisterschaften: Wie wichtig findest du die Austauschmöglichkeit mit anderen Tradern und welche Themen sind Dir dabei besonders wichtig?

Jan Zagel: Allgemein sehr wichtig. Trading an sich ist eine asoziale Beschäftigung. Man sitzt vor einem Computer und beobachtet, wie sich Zahlen verändern. Eigentlich kämpft man gegen andere Händler und den vollautomatischen Handel ausführende Maschinen. Nicht die Tätigkeit des Handelns, sondern lediglich das daraus folgende finanzielle Ergebnis ist erstrebenswert. Somit ist der Handel nur Mittel zum Zweck.

Meiner Meinung nach sind beim Austausch besonders solche Themen wichtig, über die sonst niemand öffentlich reden würde. Gerade zu Anfangszeiten hat man in der Regel niemanden, mit dem man über alles reden kann. Wenn man mal ausrasten sollte, in der Folge den Markt mit Trades bombardiert und an einem Tag einen zweistelligen Prozentbetrag verliert, kann man das eigentlich keinem erzählen. Freunde und Bekannte können dies in der Regel von der Thematik her nicht greifen. Die Familie hat sowieso schon immer gesagt, man solle etwas anderes machen. Und zusätzlich hat man einen ordentlichen Geldbetrag verloren. So wird das Dilemma nur noch schlimmer. Es ist super wichtig, zumindest einen vertrauten, gut befreundeten Händler oder Fachkundigen zu haben, gegenüber dem man sich öffnen kann. Solche Dinge in sich hinein zu fressen, lösen die Probleme eher weniger.

Seit Jahren wünsche ich mir eine Art „Soziales Netzwerk“ für Trader, wo auch Einzelkämpfer Anschluss finden und sich austauschen können. Es gibt bereits Internetforen und Facebook-Gruppen, aber in den meisten wird kaum über die Schattenseiten des Tradings geredet. An Serien von Minustrades, geerdeten Konten und gescheiterten Händlern kommt man nirgends vorbei. Aber genau von solchen Leuten kann man unheimlich viel lernen. Es ist kein Geheimnis mehr, dass 90 Prozent an den Märkten langfristig keine Profitabilität erreichen. Die Erkenntnis, was man falsch gemacht hat, kommt leider oft erst zu spät, nach einigen Monaten Abstand vom Trading. Zu diesem Zeitpunkt sitzt in vielen Fällen der monetäre Verlust auch schon zu tief.

Deutsche Trading Meisterschaften: Auch wenn Dich dieses Thema bisweilen etwas langweilen könnte, müssen wir kurz darauf zu sprechen kommen. Wir sind zwar der Meinung, dass man mit jedem Alter prinzipiell alles erreichen kann. Allerdings ist es doch relativ außergewöhnlich, einen 18-jährigen zu treffen, der sich mit so viel Feuer und Energie an der Börse engagiert.

Wie kamst du an die Börse und was würdest Du gerne allen gleichaltrigen oder auch anderen älteren Tradern mit auf den Weg geben, um diese an Deiner Energie und Motivation teilhaben zu lassen?

Jan Zagel: Zur Thematik kam ich Ende 2013, tatsächlich durch die damals noch nicht so bekannten Kryptowährungen. Geblieben bin ich dank einer Faszination, die das Trading bei mir geweckt hat. Ich konnte schon immer gut mit Zahlen und Statistik, sodass es mir vergleichsweise leicht fiel, mich im Universum des Börsenhandels zurechtzufinden. Anfangs war es mehr der Versuch, die geheime Formel hinter allen Marktverläufen zu ergründen. Heute ist es nur noch das Wegtüfteln der fachlich sauberen Minustrades, mit denen man sich längst angefreundet hat, aber man versucht sie ja doch noch immer so klein wie möglich zu halten. Die Perfektion muss ein gesundes Maß haben. Daneben auch noch der Fleiß, diszipliniert zu traden, ein Trading-Journal zu führen und seine Trades im Nachhinein gründlich zu analysieren.

Allen Tradern und Interessierten möchte ich mit auf den Weg geben, dass eine Leidenschaft zwingend notwendig sein wird. Entweder man hat diese oder man hat sie nicht. Ich kann kein Leistungssportler werden, wenn ich keine Lust habe mehrmals wöchentlich zu trainieren. Genau so kann man auch nicht erwarten, mit zwei oder drei Stunden in der Woche binnen 5 Jahren erfolgreicher Trader zu werden. Logisch mag das einzelnen Personen schon gelungen sein, aber für alle Personen realistisch ist diese Angabe nicht. Auch bin ich der Meinung, dass man abhängig von Interesse, Auffassungsgabe, Lernwilligkeit und der charakterlichen Veranlagung zwischen 4.000 und unendlich vielen Stunden benötigt, um das Handwerk Trading fachlich ausgereift zu beherrschen. Nicht jeder Mensch ist für das Trading gemacht. Mancher muss auf dem Weg zum Erfolg erst seine Persönlichkeit verändern.

Vielen Dank an Jan Zagel für das ausführliche und offene Interview. Wir wünschen Dir für Dein weiteres Trading alles Gute und hoffen, in Zukunft noch mehr von Dir zu hören.