Trends im DAX mit Indikatoren identifizieren

Neben den Trenddefinitionen, wie sie in der Markttechnik verwendet werden, kann der aktuelle Markttrend zusätzlich oder alternativ über technische Indikatoren definiert werden, welche mit Hilfe vergangener Preisbewegungen berechnet werden.

Im folgenden Abschnitt stellen wir zwei Möglichkeiten vor, Trends im DAX mit Hilfe von gleitenden Durchschnitten zu erkennen.

SMAs – Simple Moving Averages oder auch einfache gleitende Durchschnitte

Trenderkennung über die Steigung von gleitenden Durchschnitten:

Die Bestimmung von gleitenden Durchschnitten ist typisch für die Zeitreihenanalyse. Anders als beim einfachen Durchschnitt, der alle Datenpunkte beachtet, werden beim einfachen gleitenden Durchschnitt nur die x letzten Werte für die Berechnung herangezogen. Um aus diesen Werten nun einen Trend zu erkennen, betrachtet man die Steigung von gleitenden Durchschnitten unterschiedlicher Perioden. Schnelle Durchschnitte (nur wenige Werte werden einbezogen) zeigen dem Händler das kurzfristige Momentum des Marktes an, während langsamere Durchschnitte (verhältnismäßig viele Werte werden beachtet) verwendet werden können, um die großen Bewegungen zu analysieren und zu beurteilen. Je steiler die Steigung der jeweiligen gleitenden Durchschnitte ist, desto stärker ist der Trend ausgeprägt, den der Durchschnitt misst.

Beispiel:

Wir nutzen einen SMA 50 (rote Linie) und einen SMA 200 (blaue Linie), wobei SMA für Simple Moving Average bzw. einfacher gleitenden Durchschnitt steht. Beim SMA 50 wird ein Durchschnitt der letzten 50 Kursstellungen und beim SMA 200 ein Durschnitt aus den letzten 200 Kursstellungen gebildet. Mit dem 50er SMA bestimmen wir das aktuelle Momentum. Den 200er SMA nutzen wir, um den Trend des Gesamtmarktes zu definieren. Ist die Steigung von beiden positiv, so deutet dies auf einen gesunden Aufwärtstrend hin, nimmt die Steigung des 50er SMA zu oder ab, so lässt dies auf ein sich veränderndes Momentum schließen. Dreht die Steigung des schnellen gleitenden Durchschnittes (SMA 50), so ist dies bei dieser Form der Trenddefinition bereits ein Warnzeichen. Dreht die Steigung des langfristigen gleitenden Durchschnittes (SMA 200), so hat der Trend sich umgekehrt.

Die eingezeichneten Dreiecke unterhalb der Gleitenden Durchschnittle sollen helfen, die Steigung besser zu verdeutlichen. Je länger dabei die senkrechte Linie ist, desto höher ist die Steigung im jeweiligen Zeitabschnitt gewesen. Die wagrechte Linie wird immer gleichlang gehalten, um das Ergebnis nicht zu verfälschen. Um die gleiche Länge einer Linie zu erhalten, kann man diese im Metatrader kopieren. Hierfür muss die bereits eingezeichnete Linie einfach mit einem Doppelklick ausgewählt werden und dann während dem Gedrückthalten der STRG-Taste mit einem gehaltenen Linksklick bewegt werden. Daraufhin wird eine neue Linie erzeugt, die genau die selben Eigenschaften wie die originale Linie hat, wobei dir originale an der selben Stelle bleibt, wie vor dem Kopieren der Linie.

Trenderkennung über die Reihenfolge der gleitenden Durchschnitte im Chart

Eine andere Variante, die auch auf Gleitenden Durchschnitten basiert, achtet auf die Schnittpunkte von gleitenden Durchschnitten unterschiedlicher Geschwindigkeiten. Diese Trenddefinition klingt zunächst ähnlich der zuerst vorgestellten Variante – sie ist jedoch im direkten Vergleich mit gleichschnellen SMAs um einiges träger.

Prinzipiell ist der Ansatz vom Verständnis her vergleichbar. Man verwendet zwei oder mehr gleitende Durchschnitte, um mit ihnen die einzelnen Trendstärken im Markt zu messen. Befinden sich alle Durchschnitte in der richtigen Reihenfolge, liegt ein Trend vor.

Dabei ist die Anforderung an einen Aufwärtstrend, dass die schnellen Durchschnitte oberhalb der langsamen Durchschnitte liegen und die Definition eines Abwärtstrends, dass die schnellen unter den langsameren Durchschnitten im Chart sichtbar sind.

Diese Form der Trenddefinition macht sich abschwächende Trends nicht so einfach deutlich, da das Signal binär ist, also entweder Trend besteht oder Trend besteht nicht. Dies ist aber gerade für Einsteiger ggf. etwas angenehmer.

Beispiel für einen Aufwärtstrend:

30 SMA (rote Linie) > 50 SMA (gelb-orange Linie) > 100 SMA (orange Linie) > 200 SMA (blaue Linie)

Beispiel für einen stabilen Abwärtstrend:

30 SMA (rote Linie) < 50 SMA (gelb-orange Linie) < 100 SMA (orange-Linie) < 200 SMA (blaue-Linie)

Selbstverständlich kann man beide Formen der Trenddefinition auch miteinander kombinieren, um neue für den persönlichen Handelsstil optimierte Regeln aufzustellen, nach denen man handelt.

Merke:

  • Es gibt verschiedene Wege, mit gleitenden Durchschnitten Trends zu definieren. z.B. Die Steigung oder die Reihenfolge der SMAs
  • Die schnellen gleitenden Durchschnitte sind dabei immer repräsentativ für das aktuelle Momentum, während die langsamen den großen Trend abbilden
  • Je nach Anwendung sind die Trenddefinitionen träger oder dynamischer – auch Kombinationen sind denkbar